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Nachweis für die Einzelbewertung bei Dienstwagenfahrten zur ersten Tätigkeitsstätte

VonRedaktion

Nachweis für die Einzelbewertung bei Dienstwagenfahrten zur ersten Tätigkeitsstätte

Bei der Bewertung des geldwerten Vorteils bei Fahrten mit dem Dienstwagen zur ersten Tätigkeitsstätte muss differenziert werden.

Die Anwendung der Einzelbewertung der tätsächlichen Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte mit 0,002 Prozent des Bruttolistenpreises je Entfernungskilometer erfordert nicht zwingend die genaue Angabe der Tage, an denen der Arbeitnehmer die Arbeitsstätte aufgesucht hat. Das Finanzgericht Nürnberg hat hierzu aktuell entschieden.

Zusätzlich zur 1%-Regelung

Kann ein Firmenwagen auch für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt werden, erhöht sich grundsätzlich der Wert für jeden Kalendermonat um 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises für jeden Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte.

Nachweis der tatsächlich durchgeführten Fahrten – 0,002-Prozent-Tagespauschale

Alternativ ist unter weiteren Voraussetzungen eine auf das Kalenderjahr bezogene Einzelbewertung der tatsächlichen Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit 0,002 Prozent vom Bruttolistenpreis je Entfernungskilometer zulässig.

Soll die Einzelbewertung schon beim Lohnsteuerabzug erfolgen, hat der Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber nach Verwaltungsauffassung monatlich fahrzeugbezogen schriftlich zu erklären, an welchen Tagen das betriebliche Kraftfahrzeug tatsächlich für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt wurde. Dies sollte mit Datumsangabe erfolgen.

Soll der Wechsel zur Einzelbewertung erst bei der Erklärung zur Einkommensteuer erfolgen, muss der Arbeitnehmer die Tage dem Finanzamt fahrzeugbezogen darlegen.

BMF, Schreiben vom 04.05.2018, IV C – S 2334/18/10001, BStBl 2018 I S. 592 Die lohnsteuerliche Behandlung der Überlassung eines betrieblichen Kraftfahrzeuges an Arbeitnehmer ist in § 8 Abs. 2 Satz 2 EStG sowie in R 8.1 Abs. 9 und 10 LStR geregelt.

Anforderungen an ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch: detaillierte Angabe der Tage

In einem aktuellen Urteil vom FG Nürnberg, Urteil vom 23.01.2020, 4 K 1789/18, war der Kläger im Außendienst tätig. Den vom Arbeitgeber überlassenen Dienstwagen nutzte er auch für private Fahrten, sowie für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Im Lohnsteuerabzugsverfahren wurde der private Anteil für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mit monatlich 0,03 Prozent vom Bruttolistenpreis berechnet. Anhand eines Kalenders zeichnete der Arbeitnehmer die privat gefahrenen Kilometer auf. Eine Einzelbewertung des geldwerten Vorteils anhand der tatsächlich durchgeführten Fahrten mit 0,002 Prozent je Fahrt lehnte das zuständige Finanzamt jedoch ab, weil der Kläger es nicht fahrzeugbezogen mit Datumsangabe darlegen konnte, an welchen Tagen er den Dienstwagen tatsächlich für Fahrten zwischen Wohnung und der ersten Tätigskeitsstätte nutzte.

Tatsächlich durchgeführte Fahrten müssen nachvollziehbar sein

Das Finanzgericht Nürnberg hat jedoch zugunsten des Arbeitnehmers entschieden. Eine Einzelbewertung des Zuschlags anhand der tatsächlich durchgeführten Fahrten ist nach ständiger Rechtsprechung möglich.

BFH, Urteil vom 04.05.2008, VI R 85/04, BSTBl II 2004 S. 887

Der Betriebssitz ist bei wöchentlichem Aufsuchen durch den Außendienstmitarbeiter die (regelmäßige) Arbeitsstätte. Der Zuschlag nach § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG hängt von der tatsächlichen Nutzung des Dienstwagens ab.

Dafür ist nach dem aktuellen Urteil keine datumsgenaue Angabe der durchgeführten Fahrten erforderlich. Aufgrund der Eintragungen im Kalender lassen sich die tatsächlich durchgeführten Fahrten erkennen. Das Finanzgericht hat damit der Verwaltungsauffassung ausdrücklich widersprochen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Hinweis: Arbeitgeber sollten Datumsangaben bei der Einzelbewertung einfordern

Dennoch sollten beim Lohnsteuerabzug allein aus Haftungsgründen vom Arbeitgeber bei der Einzelbewertung Datumsangaben eingefordert werden, solange die Finanzverwaltung ihre Auffassung nicht angepasst hat. Falls der Arbeitnehmer die erforderlichen Angaben nicht liefert, bleibt die vorläufige Erfassung des geldwerten Vorteils mit der 0,03-Prozent-Methode die sichere Alternative.

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